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El colectivo de la esperanza

Meine Zunge tut weh. Ich habe eine Verbrennung auf einer Verbrennung. Keine Sorge, mir gehts gut, ich trinke nur sehr viel Mate und Mate ist immer zu heiß. Für mich jedenfalls, meine Kolleg*innen sagen immer, es sei Gewöhnungssache, wenn ich sie frage, wie sie dieses viel zu heiße Wasser (durch einen Metallstrohhalm!) trinken können. Ja, ich habe Kolleg*innen! Und ja, es kommt sogar vor, dass ich es schaffe, ihnen eine ordentliche Frage zu stellen. Nicht oft, aber es kommt vor. Letzte Woche haben wir uns drei der vier Zentren zusammen angeschaut und mussten uns dann entscheiden, wer von uns in welches geht. Florian hatte diese Qual der Wahl nicht, weil unsere Chefinnen schon vorher entschieden hatten, dass er als Mann in das Zentrum in der unsichersten Umgebung soll. Also sollten Marlen, Angela und ich uns zwischen den anderen drei entscheiden - und hatten alle sehr ähnliche Präferenzen, sodass wir entschieden haben, zu losen. Das haben wir dann am Sonntag Abend gemacht und ich habe da

Sprachkenntnisse und ein bisschen Philosophie

In meinem Leben wurde bisher noch nie etwas in einer so hohen Frequenz gestärkt und erschüttert wie mein Vertrauen in meine Spanischkenntnisse in den letzten zweieinhalb Wochen. Für unsere Einführung ins Castellano (so nennt man das in Lateinamerika gesprochene Spanisch) während des Seminars wurden wir in vier Gruppen eingeteilt und ich bin in der dritten gelandet. Das heißt quasi B1-Niveau, was mich sowohl wahnsinnig überrascht als auch wahnsinnig gefreut hat. Meine Bemühungen und die stundenlangen oft etwas einsamen Lerneinheiten zu Hause hatten sich also richtig gelohnt! Ich kam in diesem Kurs sehr gut klar, verstand das meiste von dem, was unsere "Lehrerin" uns - ausschließlich auf Spanisch - erklärte und konnte viele meiner Fragen zumindest so formulieren, dass einigermaßen verständlich wurde, was zum Teufel da in meinem Kopf vorging. In Restaurants oder in anderen Unterhaltungen konnte ich manchmal sogar Anderen helfen, die weniger Spanisch konnten als ich und es kam vo

Esmeralda

Ich sitze gerade mit meinem Laptop auf unserer neuen Terrasse, schaue hinter mir auf ein brandneues glasverkleidetes Hochhaus, vor mir auf ein noch höheres, zu zwei Dritteln glasverkleidetes Hochhaus, wenn ich mich ein kleines Stück vorlehne, sehe ich unseren üppig mit Pflanzen bestückten Innenhof und wenn ich aus dem Tor vorne rausgehe, blicke ich nach wenigen Schritten und einer Straßenecke direkt auf den Obelisken, das Wahrzeichen im Herzen von Buenos Aires. "Esmeralda" ist für Angela, Marlen, Florian und mich eine Zwischenstation. Durch die unglaublich hohe Inflation ist der Wohnungsmarkt in Buenos Aires sehr komplex und viele Vermieter warten lieber auf den Sommer, um ihre Wohnungen dann wesentlich teurer vermieten zu können. Dazu kommt natürlich noch, dass die wenigsten Vermieter Luftsprünge machen, wenn sie hören, dass ihre zukünftigen Mieter vier junge Ausländer sein sollen, die nur ein Jahr lang bleiben. Und wir sollen nun doch nicht direkt in Florencio Varela wohnen

Viel zu erzählen, viel zu wenig Zeit

Okay, wie fange ich jetzt an? Ich glaube, "Unterschiede" ist ein gutes Stichwort. Ich bin jetzt seit gut einer Woche in Buenos Aires (was ich immer noch gar nicht fassen kann, obwohl mein Kopf sich meiner Meinung nach jetzt doch mal so langsam damit abfinden könnte) und natürlich war mir klar, dass Vieles anders sein wird, als mein westerwäldermittelstandsverwöhntes Gehirn es so kennt. Aber - und ich weiß, es ist ein generischer Satz - es ist eben doch überraschend, wenn man es tatsächlich (er)lebt. Manchmal schockierend, manchmal auch lustig und manchmal total schön, es führt jedenfalls dazu, dass mein Kopf auch nach über einer Woche noch vor neuen Eindrücken dauerhaft ganz knapp an der Überforderung vorbeischrammt. Erstmal ein paar Fakten, um euch mit meiner aktuellen Situation bekannt zu machen: 1. Hier trinken alle ständig Mate. Wirklich. Alle. Ständig. 2. Hier ist es im Winter wirklich kalt. Leider ist gerade Winter. 3. Hier gibt es sehr schöne Sonnenuntergänge - im Mome

Eingeschlafene Beine, Serienvergleiche und Reisegedanken

10. August 2022 Für diesen Moment habe ich anderthalb Jahre gelebt. Jap, ich bin ein bisschen dramatisch, aber dieser Gedanke geht mir jetzt seit Stunden nicht aus dem Kopf. Während ich im Auto saß, aus den Lautsprechern der Liveauftritt von Adele in der Royal Albert Hall lief, mein Papa wahrscheinlich bei jedem neuen Lied auf die Erlösung von meinem mittelmäßigen, aber nicht zurückhaltenden Mitsingen hoffte, und jedes Mal aufs Neue enttäuscht wurde - Vielen Dank fürs Fahren (und die ganze Fahrt Aushalten) an der Stelle, Papa! - kam dieser Gedanke und bleibt wohl, so wie es aussieht, mein Reisebegleiter. Auf meinem ersten Flug von Frankfurt nach Amsterdam setzte sich eine Frau aus Mexico neben mich, die kurze Zeit später parallel zu mir anfing, an ihrer Nagelhaut zu knibbeln. Diese unglaublich nervige und früher oder später immer in Schmerzen und blutenden Fingern endende Eigenschaft hat uns wohl ein so starkes Verbundenheitsgefühl gegeben, dass wir uns dann den ganzen Flug lang unterh

Was dieser Blog ist, was er nicht ist und was das für euch heißt

Schön, dass ihr vorbeischaut! Ich mache von August 2022 bis August 2023 einen Freiwilligendienst in Argentinien und möchte hier meine Eindrücke, Erfahrungen und Gedanken zu Allem (oder zumindest Einigem), das ich in diesem Jahr erlebe, mit euch teilen. Dieser Blog ist dazu gedacht, euch - meine Familie, Freunde und Bekannte - auf dem Laufenden zu halten und euch trotz unserer großen geographischen Entfernung (in wahrscheinlich eher unregelmäßigen Abständen, aber ich gebe mir Mühe, versprochen!) an meinem Leben teilhaben zu lassen. Schaut also einfach gerne hier vorbei, wenn ihr wissen möchtet, was bei mir gerade so los ist! Natürlich könnt ihr mir auch jederzeit privat schreiben, ich kann nur nicht immer eine schnelle Antwort garantieren, weil manchmal sicher sehr viel los ist. Meldet euch aber gerne über WhatsApp, SMS oder E-Mail bei mir, ich freue mich sehr darüber, auch wenn ich vielleicht nicht sofort antworte! Für mich ist es total in Ordnung, wenn ihr den Link zu meinem Blog an A

Was genau machst du da nochmal?

Wo bin ich? Ich fliege am 10. August 2022 von Frankfurt nach Amsterdam und von dort direkt nach Buenos Aires, die 15 Millionen Einwohner große Hauptstadt Argentiniens. Wie lange bin ich da? Ich werde 12 Monate in Argentinien wohnen und arbeiten. Was mache ich da? Ich arbeite Vollzeit in einem Kinder- und Jugendzentrum in Florencio Varela, das ist eines der ärmsten Viertel im Großraum Buenos Aires. Die Kinder kommen nach der Schule in das Zentrum, bekommen Essen und können dort ihre Hausaufgaben machen, vor allem können sie aber Zeit mit Gleichaltrigen bei verschiedensten Aktivitäten verbringen. Abends werden weitere Aktivitäten und Workshops für Jugendliche angeboten. Ich werde Teil des Teams und ein bisschen "Mädchen für alles" sein, also in der Küche helfen, Workshops vorbereiten, mit den Kindern spielen und was sonst so ansteht. Wie wohne ich? Ich wohne mit 3 weiteren Freiwilligen aus Deutschland in einer WG im Zentrum von Florencio Varela.